Unter diesem Motto von Kurt Tucholsky öffnete das Nürnberger Feinschmecker-Restaurant "Le Virage" [1] in Nürnberg am 03.September 2004 seine Türen für Gourmets und Freunde der französischen Regionalküche.
Zum ernsten Jubiläum begaben wir uns nach Johannis, um erlesene Speisen und kraftvolle Weine zu geniesen. Eines vorweg, das Restaurant ist klein, die Einrichtung puristisch, dennoch warm und mit Kerzenlicht verfeinert. Die Erwartung erfüllt sich nicht, man wird nicht mit einem französischem sondern mit einem breiten fränkischen Akzent begrüsst. Dafür freundlich und zuvorkommend. Schwer fällt die Entscheidung hier nicht, zur Auswahl stehen zwei 4 Gänge Menues zu je 32,50 EUR, die bei den Hauptgerichten noch eine weitere Auswahlmöglichkeit verbergen. Ob eine Dorade oder ein Eintopf auf den Tisch kommen, bleibt dem Gast überlassen. Wir entschieden uns für das Menue 2: gebratene Entenbrust mit Ratatouille, das Perlhuhn-Suprême mit einem Kartoffelgratin, eine Auswahl an sechs verschiedenen Käsesorten und einem Dessert bestehend aus einer Birnen-Casis-Terrine. Dazu ein Glas Rotwein, ich wählte einen kraftvollen Merlot aus Ardèche für 4,70 EUR und eine Flasche Wasser, Evian wurde geboten.
Meine schönere Hälfte, eine gebürtige Französin, begutachtete in meinem Auftrag die Einzelheiten und berichtete: im Gegesantz zum "Prison St. Michel", einem nürnberger Restaurant, dass das Prädikat "französisch" nur sehr bedingt verdient, passte hier fast alles. Echt französich. Schön.
Einen Menüauftakt bildete das Amuse-Bouche, eine Überraschung des Küchenchefs, die sich als ein Happen gebratener Fisch mit dem Blätterteiggebäck entpuppte. Die Bedienung, im Allgemeinen sehr freundlich und bemüht, und nach bester traditionalen Art befragte mich zuerst und ignorierte meine schönere Hälfte. Nicht weiter schlimm, die Emanzipation hilft hier ein bischen weiter und der Kellner überlebte... Die Barbarie Ente war einfach perfekt zubereitet, schwach Medium wie diesem edlem Fleisch gebührt. Ich empfand es jedoch etwas zäh, was wohl mehr an der Fleischqualität, als an der Art der Zubereitung lag. In keinem Fall schlecht, nur dem Anspruch nicht gerecht. Dafür wurde ich mit einer sehr leckeren Kruste entschädigt, deren Geschmack zum Träumen einlädt. Das Perlhuhn war mit Entenleber gefüllt und mit Broccoli garniert, kurz blanchiert und kunstvoll serviert. Dazu wählte ich einen Kartoffelgratin an Stelle der pikanten Puy-Linsen, es erschien mir passender.
Einfache, gut bürgerliche Küche, kunstvoll und liebevoll präsentiert. Dazu ein Besuch des Küchenchefs und eine jederzeit erreichbare Bedienung, was wohl auch an der bescheidenen Größe des Restaurants zum Teil lag. Die Welt ist hier wirklich in Ordnung und ich fühlte mich langsam nach Frankreich versetzt.
Die Käseplatte brachte mich leider zurück in die Realität. Nicht die Auswahl an verschiedenen Käsesorten, die von dem Ziegenfrischkäse, einem Camembert und einem leckeren Brie hin zu einem pikanten Vertreter der Blaupilz-Käsesorten reichte und wohltemperierten Alter auswies (Respekt, wirklich bemerkenswert!). Es ist immer wieder das Brot, meilenweit von einem französischen Baguette entfernt, etwas zu hart und mit wenig Geschmack. Dazu noch eine vollkorn Variante mit ähnlichen Eigenschaften. Autsch! Als Küchenchef hätte ich lieber selbst ein paar Brote gebacken, als mich mit dieser Qualität abgefunden. Den Abschluß bildete das gelungene Dessert und ein Espresso.
Meine Wertung:
Der Abend für rund 40 EUR pro Person gehört eindeutig in die gehobene Klasse, ist es aber auch Wert, denn die Qualität lässt nicht zu Wünschen übrig, die Bedienung ist für fränkische Verhältnise sehr lobenswert und die Kleinigkeiten, wie die sehr gut gewählten Käsesorten, lassen das Potential des Küchenchefs erahnen. Die Menues sind liebevoll und passend zusammengestellt und einem wird auch die passende Weinsorte empfohlen. Ein Gast wird umsorgt und die Wünsche von den Lippen abgelesen. Dazu gesellen sich aber auch einige Patzer. Es ist leider so, dass auch die tiefen Kenntnisse der französichen Küche nicht unbedingt dabei helfen das französische savoir-vivre vollständig zu verstehen. Wirklich schade. Denn ich wäre bereits gewesen das Restaurant entsprechend zu loben.
Mangels einer vergleichbaren Konkurrenz ist eines klar: La Virage ist die Nummer 1 in Nürnberg in Sachen französiche Küche. Absolut empfehlenswert!
Bon appétit!
Le Virage - Restaurant Francais
Helmstrasse 19 - D 90419 Nürnberg (Johannis)
Tel: 0911.99289.57 - Fax: 0911.99289.55
Dienstag bis Samstag von 18:00 bis 01:00 Uhr
Küche von 18:00 bis 23:00 Uhr
Sonntag & Montag Ruhetag
Um Reservierung wird gebeten.
[1] http://www.levirage.net/